Wie es Lehrern aktuell im Jemen ergeht

Wie es Lehrern aktuell im Jemen ergeht

Krieg ist, wenn die Fortsetzung des Schulunterrichts im Jemen in Gefahr ist und für das neue Schuljahr das wichtigste Werkzeug der Bildung – der Lehrer – fehlen könnte.

Die Aussetzung der Lehrergehälter dauert in Sana’a und Umgebung nun schon rund 2 Jahre an. Seitdem ist ein außerordentlicher Zuwachs an Streiks und Lehrermangel zu verzeichnen, der sich insbesondere an öffentlichen Schulen im ganzen Land ausbreitet.

Ahmed Ali Al-Faqih ist Lehrer für Chemie und Naturwissenschaft im Al-Wafa’a-Bildungszentrum, unserer Projektschule in Bait al Hajri. Er unterrichtet seit 2012 und bereitet sich aktuell auf einen Master-Abschluss in Chemie vor.

Außerdem ist Herr Al-Faqih zertifiziert durch den arabischen Rat für Training, Beratung und humanitäre Entwicklung in der Arabischen Republik Ägypten.

In unserem Treffen mit Herrn Al-Faqih berichtete er, dass er noch immer im Al-Wafa’a-Bildungszentrum unterrichtet, obwohl er und seine Kollegen wie auch andere Lehrer im ganzen Land seit zwei Jahren ihre Gehälter nicht erhalten – aufgrund der verheerenden humanitären und ökonomischen Krise des Landes, ausgelöst durch den Krieg und die bewaffneten Auseinandersetzungen. Herr Al-Faqih glaubt jedoch daran, dass es seine Pflicht und die seiner Kollegen im Zentrum ist, der Situation des Landes etwas entgegenzusetzen und ihr Bestes zu geben, (um das laufende Schuljahr zu beenden, so wie sie es schon in den vorhergehenden Jahren seit Beginn des Krieges getan haben,) um eine Unterbrechung des Schulbetriebs zu vermeiden und ihre Schüler so davor zu bewahren, dass sie von den Milizen-Gruppierungen eingezogen werden, um im Krieg zu kämpfen. Die Lehrergehälter waren ähnlich wie die aller Angestellten des öffentlichen Dienstes ohnehin sehr, sehr niedrig. Das Gehalt von Herrn Al-Faqih lag unter $90/Monat, so dass es nie zur Deckung der Grundbedürfnisse einer großen Familie wie seiner ausgereicht hat. Und selbst dieses geringe Gehalt wurde nun seit zwei Jahren ausgesetzt.

Die Notlage, in der sich Lehrer im Jemen dieser Tage befinden, hat sie zu einem Teil der bedürftigen, gebrochenen unteren Klasse gemacht. Sie können Ihre Familien nicht ernähren und weder für deren Grundbedürfnisse noch für die Bildung Ihrer Kinder aufkommen! Jeder kann sich vorstellen/ausmalen, wie negativ sich diese Situation auf ihr Lehrerdasein, ihre Leistung im Klassenzimmer und den Bildungsprozess im Gesamten auswirkt. Einer der Lehrer erzählte uns, dass er und seine Kinder aus ihrem Haus geworfen und obdachlos wurden, weil er die Miete nicht mehr zahlen konnte. Dennoch hat er nie aufgehört, zur Arbeit zu gehen, da er seinen Lehrauftrag als eine heilige Pflicht gegenüber seinen Schülern ansieht – und das obwohl er sich nicht einmal den Weg zur Schule leisten konnte. Er ist der Überzeugung, dass seine Schüler nichts für die finanzielle Notlage können, in der er und seine Familie sich befinden. Er fügt hinzu: “Wir waren geduldig genug, jetzt sind wir mit unserer Geduld am Ende.”

Die Lehrer fassen ihr Leiden so zusammen: “Wir können so nicht mehr weitermachen… Wir haben den Glauben in uns selbst verloren. Was können Lehrer ihren Schülern bieten, wenn sie selbst sich zutiefst erniedrigt, in Not und zerrüttet fühlen?”

# Unsere Gehälter zu erhalten ist ein Grundrecht.

#Ich will meine Kinder ernähren

# Ich will mein Gehalt zurück

Da Krieg, Hunger und der wirtschaftliche Kollaps die Lehrer um ihr Überleben kämpfen lassen, könnten die Schultüren zur Registrierung für das nächste Schuljahr geschlossen bleiben. Die Klassenräume könnten leer bleiben. Kinder und Jugendliche hätten keinen oder nur eingeschränkten Zugang zu Bildung. All das könnte zu einem Bildungskollaps führen, was eine wirkliche Krise wäre.

„Und was sind die gefährlichen Alternativen, einschließlich einer Rekrutierung für die Kämpfe? Wir sind uns ständig bewusst, wie und warum ein Kollaps der Bildung eine Art Wendepunkt darstellen und einen Unterschied für unsere zukünftige Gesellschaft machen kann.“

Darum ist es so wichtig, eine Fortsetzung des Schulbetriebs zu ermöglichen – bitte unterstützen Sie uns dabei!

Unser Schulprojekt ist jetzt bei betterplace gelistet!

Unser Schulprojekt ist jetzt bei betterplace gelistet!

Mitten in all den Schreckensmeldungen, die uns täglich aus dem Jemen erreichen, gibt es auch gute Neuigkeiten: Unser Schulprojekt ist jetzt bei betterplace gelistet! Bald geht das Schuljahr los und wir können noch jede Unterstützung gut brauchen. Kinder und Lehrer im Jemen zählen auf uns – helft uns zu helfen!

Hier geht es direkt zu unserem Projekt bei betterplace.

Hayati Karamati stellt sich vor

Hayati Karamati stellt sich vor

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Ausgehend von dieser universell geltenden Maxime setzt sich Hayati Karamati ein für den Schutz des menschlichen Lebens als unabdingbare Voraussetzung für ein Leben in Würde. Ohne menschliches (Über-)Leben keine Würde.

Für viele Menschen in der arabischen Welt ist der Kampf um Überleben viel dringlicher geworden als das Streben nach Würde.

Im Jemen leiden die Menschen seit mehr als drei Jahren unter der Aggression einer von Saudi-Arabien geführten Allianz Hunger und Tod. Willkürliche Bombenabwürfe auf Großstädte und Ballungszentren aus der Luft, Söldnertruppen, die aus den Ländern wie dem Sudan, dem Senegal oder Pakistan gekauft werden, um an der jemenitischen Front zu töten oder getötet zu werden. Die bisherige Bilanz: Über 10.000 getötete Zivilisten, darunter unzählige Frauen und Kinder. Über 4 Millionen Flüchtlinge und 5 weitere Millionen Binnenvertriebene. Systematische Verhinderung der Unterstützung von außen durch ein striktes Luft-, See und Landembargo. Cholera und Epidemien machen sich breit. Das 26 Millionen-Volk soll hermetisch abgeriegelt werden. Ziel: durch diese Abschneidung von der Außenwelt soll das Leid der Menschen so groß werden, bis sie sich den Forderungen der Saudis unterwerfen.

Noch hat sich das tapfere Volk tapfer dagegen gewehrt. Noch beklagen sie den Genozid an ihrer Bevölkerung und appellieren an die Weltgemeinschaft zum raschen Einschreiten.

Ein Volk wird systematisch vernichtet. Die größte humanitäre Katastrophe der Gegenwart.