Der UNESCO-Weltbildungsbericht 2026 zeigt: Trotz wichtiger Fortschritte gehen weltweit rund 273 Millionen Kinder und Jugendliche nicht zur Schule. Besonders gravierend sind die Hürden für Kinder in Konflikt- und Krisengebieten. Für Hayati Karamati e.V. bestätigt dies einmal mehr, warum Bildung im Mittelpunkt unserer Arbeit steht.
Bildung ist weit mehr als der Besuch einer Schule. Sie eröffnet Perspektiven, stärkt gesellschaftliche Teilhabe und gibt jungen Menschen die Möglichkeit, ihre Zukunft selbstbestimmt zu gestalten. Gerade dort, wo Krieg, Armut und politische Instabilität den Alltag bestimmen, ist Bildung deshalb von besonderer Bedeutung.
Der aktuelle UNESCO-Weltbildungsbericht 2026 unter dem Titel „Zugang und Chancengerechtigkeit“ macht deutlich, wie groß die Herausforderung weiterhin ist: Weltweit gehen nach den im Bericht ausgewiesenen Daten rund 273 Millionen Kinder und Jugendliche nicht zur Schule (UNESCO, 2026, S. 4). Je nach Kontext sind bestimmte Gruppen besonders benachteiligt, darunter Mädchen und junge Frauen, Kinder mit Behinderungen sowie Kinder, die in Konflikt- und Krisengebieten leben.
Diese Zahlen zeigen: Der Zugang zu Bildung ist keineswegs selbstverständlich.
Wenn der Schulweg zur Hürde wird: Bildung im Jemen
Wie unmittelbar sich Krieg, Armut und gesellschaftliche Ungleichheiten auf Bildungschancen auswirken, zeigt die Situation im Jemen.
Seit mehr als einem Jahrzehnt prägt der anhaltende Konflikt das Leben der Menschen im Jemen und hat die Lebensbedingungen erheblich verschärft. Nach Angaben des UNESCO-Berichts lebten 2021 rund 83 Prozent der Bevölkerung in multidimensionaler Armut. Seit 2015 wurden schätzungsweise 4,5 Millionen Menschen vertrieben. Auch die Bildungsinfrastruktur ist stark betroffen: Rund 20 Prozent der Schulen wurden zerstört oder beschädigt oder werden zur Unterbringung vertriebener Menschen genutzt (UNESCO, 2026, S. 180).
Auch der Bildungsbetrieb ist stark beeinträchtigt: Im Schuljahr 2022/23 arbeiteten Berichten zufolge mehr als 155.000 Lehrkräfte ohne Gehalt (UNESCO, 2026, S. 180).
Doch nicht nur zerstörte Schulen und fehlende Ressourcen erschweren den Zugang zu Bildung. Im Jemen boten 24 Prozent der Schulen lediglich die ersten sechs Klassenstufen an. Für Kinder, die ihre Schulbildung fortsetzen möchten, bedeutet dies, weitere Wege zu einer Schule zurücklegen zu müssen, die auch weiterführende Klassen anbietet (UNESCO, 2026, S. 172).
Es reicht nicht aus, dass Bildung grundsätzlich angeboten wird. Kinder müssen auch tatsächlich und unter realistischen Bedingungen Zugang dazu haben – unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrem Wohnort oder den politischen und wirtschaftlichen Umständen, in denen sie aufwachsen.
Warum Bildung für uns so wichtig ist
Für Hayati Karamati e.V. ist Bildung deshalb seit vielen Jahren ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit im Jemen.
Unsere Erfahrungen vor Ort haben uns gezeigt, welche Bedeutung eine funktionierende Schule gerade in einem von Konflikt und Unsicherheit geprägten Umfeld haben kann. Wo vieles im Alltag unberechenbar geworden ist, kann Schule ein Stück Stabilität und Normalität schaffen. Sie vermittelt Wissen, eröffnet Perspektiven und gibt Kindern die Möglichkeit, Fähigkeiten zu entwickeln, auf denen sie ihre weitere Zukunft aufbauen können.
Deshalb setzen wir uns dafür ein, Kindern den Zugang zu schulischer Bildung zu ermöglichen und bestehende Bildungsstrukturen zu erhalten und zu stärken.
Für uns bedeutet Bildungsförderung dabei mehr als kurzfristige Unterstützung. Sie ist eine Investition in Menschen und damit in die langfristige Entwicklung einer Gesellschaft.
Bildung darf in Krisen nicht zur Nebensache werden
Gerade Kinder in Konfliktregionen laufen Gefahr, dauerhaft von Bildung ausgeschlossen zu werden. Schulen können beschädigt oder geschlossen sein, Familien verlieren ihre wirtschaftliche Existenzgrundlage und der regelmäßige Schulbesuch wird unter schwierigen Lebensbedingungen zunehmend unmöglich.
Doch gerade in solchen Situationen darf Bildung nicht zur Nebensache werden.
Der Weltbildungsbericht unterstreicht, dass langfristige Investitionen in Bildung, inklusive Bildungsansätze und die gezielte Unterstützung benachteiligter Gruppen entscheidend dazu beitragen können, Bildungszugänge und Bildungserfolge zu verbessern.
Diese Überzeugung teilen wir.
Jedes Kind sollte die Chance erhalten, zu lernen, seine Fähigkeiten zu entwickeln und eigene Zukunftsperspektiven aufzubauen – unabhängig davon, wo es geboren wurde oder unter welchen Umständen es aufwächst.
Deshalb bleibt Bildung für Hayati Karamati e.V. ein zentrales Anliegen. Denn Bildung vermittelt nicht nur Wissen. Bildung eröffnet Chancen, stärkt Selbstbestimmung und schafft Zukunft.
Zum Bericht
Anlass für diesen Beitrag ist die Veröffentlichung der deutschsprachigen Kurzfassung des UNESCO-Weltbildungsberichts 2026 „Zugang und Chancengerechtigkeit“. Weitere Informationen finden Sie beim Auswärtigen Amt.